Das faszinierende 1×1 der psychologischen Berufe

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Ich war letztens auch bei einem Psychologen und er hat mir Medikamente dagegen verschrieben

Findest Du den Fehler in dieser Aussage? 😉

Tatsächlich höre ich diesen und ähnliche Sätze nur allzu oft. Viele verwechseln Psychologen und Psychiater und was macht eigentlich dieser ominöse Psychotherapeut?

Sich im undurchsichtigen Dschungel der psychologischen Berufsbezeichnungen zurechtzufinden ist zugegebenermaßen nicht einfach, wenn man nicht aus dieser Richtung kommt.

Und genau deswegen bringe ich heute mit diesem Beitrag Licht ins Dunkel!

Für alle, bei denen es schnell gehen muss: Am Ende der Seite findest Du die Begriffe in jeweils einem Einzeiler erklärt.

Was macht man als Psychologe?

Psychologe/in ist jemand, der das Studium der Psychologie in mindestens 5 Jahren an einer Hochschule absolviert hat.
Als Psychologe/in arbeitet man entweder im klinischen (beispielsweise in einer Klinik in der Diagnostik), wissenschaftlichen (z.B. Studiendurchführung und -auswertung zu verschiedenen Themen) oder wirtschaftlichen Bereich (z.B. als Personalberater, in der Markt- und Meinungsforschung oder bei Polizei/Militär).

Was darf ein Psychologe?

Übergreifend kann man sagen, dass ein Psychologe Wissenschaftler ist, der sich mit dem Erleben und Verhalten von Menschen befasst. Durch geschickte Fragestellungen und/oder Testverfahren kann er eine Diagnose stellen. Im klinischen Bereich führt ein Psychologe psychologische Beratung in Form von Gesprächstherapien durch, leitet Gruppentherapien und Schulungen (Psychoedukation).

Was darf ein Psychologe nicht?

Ein Psychologe ist kein Arzt. Dementsprechend kann er weder Medikamente verschreiben, noch Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) ausstellen.

Des Weiteren darf ein Psychologe ohne weitere Ausbildung, entgegen der Annahme vieler, keine Psychotherapie durchführen.

Wo ist der Unterschied zwischen Psychologe und Psychiater?

Genau beim vorherigen Punkt. 😉

Ein Psychiater ist ein Arzt, also jemand der ein Medizin-Studium erfolgreich abgeschlossen hat und seinen Facharzt zum Psychiater gemacht hat. Er kann Blut zur Erstellung eines Blutbildes abnehmen und Medikamente oder AUs verschreiben. Im Vergleich zu einem Psychologen befasst er sich vor allem mit der medizinischen Komponente einer psychischen Erkrankung.

Wie wird man psychologischer Psychotherapeut?

Ein Psychotherapeut ist ein Psychologe oder Psychiater, der eine Zusatzausbildung im Bereich „Psychotherapie“ gemacht hat. Der Begriff des „Psychotherapeuten“ ist rechtlich geschützt und darf nur von demjenigen getragen werden, der diese Zusatzausbildung erfolgreich abgeschlossen hat.

Als Psychotherapeut kann man eine eigene Praxis eröffnen und von den Krankenkassen bezahlte Psychotherapie anbieten. Normalerweise spezialisiert sich ein Psychotherapeut dabei entweder als Tiefenpsychologe, (kognitiver) Verhaltenstherapeut, Psychoanalytiker oder (seit Juli 2020) als systemischer Therapeut.

Psychotherapie bietet Hilfe bei Problemen rund um das Denken, Fühlen, Handeln und Erleben eines Menschen. Dazu zählen unter anderem Depressionen, Angststörungen oder Zwangs- und Suchterkrankungen.

Was ist denn dann ein Psychologischer Berater?

Im Gegensatz zu einem Psychotherapeuten berät ein psychologischer Berater psychisch gesunde Klienten.

Belastungen wie Beziehungsprobleme, Probleme in der Partnerschaft oder im Beruf zählen nicht als psychische Erkrankung. Ein psychologischer Berater hilft seinen Klienten in Einzel- oder Gruppengesprächen bei der Bewältigung von Krisensituationen und bietet oftmals Trainings zu verschiedenen Bereichen an. Er ist darauf spezialisiert präventiv vorzugehen und einer psychischen Erkrankung vorzubeugen.

Viele psychologische Berater spezialisieren sich auf Gebiete, die in der klassischen Psychotherapie weniger Aufmerksamkeit finden wie Hypnose, Paar- oder Familientherapie.

Wer kann sich Coach nennen?

Da der Begriff nicht rechtlich geschützt ist, kann jeder sich Coach nennen. Die meisten machen dennoch eine Ausbildung.

Als Coach hilfst Du Deinem Klienten spezielle Fähigkeiten auszubauen. Dabei übernimmt der Coach eine passive Rolle und regt den Coachee dazu an durch Selbstreflexion eine Lösung für sich zu entwickeln.

Viele Coaches spezialisieren sich auf einen Bereich, wie zum Beispiel Business- oder Life Coaching.

Was macht ein Heilpraktiker für Psychotherapie?

Auch wenn Heilpraktiker an sich leider oft noch als Globuli-verschreibende Individuen angesehen werden, so muss jeder Heilpraktiker eine strenge staatliche Prüfung machen, die medizinisches Wissen sowohl in einer schriftlichen, als auch in einer mündlichen Prüfung (mit approbierten Ärzten als Prüfern) abfragt.

Ein Heilpraktiker für Psychotherapie muss sich ebenso dieser staatlichen Prüfung unterziehen, die auf den Bereich der Psychologie, bzw. Psychotherapie beschränkt ist. Kernthematiken sind hierbei Diagnostik und Testverfahren, Therapieverfahren, Psychopathologie und Psychopharmakologie.

Als Heilpraktiker für Psychotherapie kann man seine eigene Praxis eröffnen und psychisch Erkrankten Psychotherapie anbieten. Die Kosten hierfür werden allerdings nicht, bzw. nur in Ausnahmefällen von den Krankenkassen übernommen.

Wann übernimmt die Krankenkasse private Psychotherapie?

Ein Antrag auf Kostenerstattung für eine private Psychotherapie bei einem spezialisierten Heilpraktiker sollte dann gestellt werden, wenn nachweislich eine Psychotherapie benötigt wird und kein Therapieplatz in zumutbarer Distanz oder Wartezeit bei einem Psychotherapeuten mit Kassenzulassung gefunden werden kann.

Wann sollte man zu einem Psychologen gehen?

Bei körperlichen Erkrankungen wie Bauchweh, Kopfschmerzen oder Fieber geht man (natürlich) zu einem Arzt. Doch auch bei psychischen Beschwerden kann es sinnvoll sein den Hausarzt darauf anzusprechen. Körperliche Erkrankungen wie Schilddrüsenfunktionsstörungen oder Eisenmangel führen oftmals zu depressiven Zuständen. Ein Blutbild kann also ein erster Anhaltspunkt sein, um eine psychische Erkrankung auszuschließen. Ein guter Arzt wird eine genaue Anamnese durchführen, um mögliche körperliche Ursachen auszuschließen.

Sollte dies zu keinem Ergebnis führen, sollte man den Weg zu einem Psychologen suchen.

 Sobald ein psychisches Problem oder ein geistiger Zustand, unter dem die Person subjektiv leidet, für einen längeren Zeitraum (ab ca. 2 bis 3 Wochen) bestehen, macht es definitiv Sinn sich einem Psychologen anzuvertrauen.

Bei beispielsweise Problemen in der Beziehung, im Beruf oder mit der Familie lohnt es sich über den Gang zum psychologischen Berater nachzudenken.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass jeder Beruf, wenn er auch noch so ähnlich klingt, sich auf ein anderes Gebiet spezialisiert hat.  

Solltest Du Dir nicht sicher sein, wen Du kontaktieren sollst, gib mir Bescheid. Ich helfe Dir gerne bei der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner!

Kurz-Zusammenfassung der psychologischen Berufe

  • Psychologe: Abgeschlossenes Psychologie-Studium
  • Psychiater: Arzt mit Facharztrichtung Psychiatrie
  • Psychotherapeut: Psychologe oder Psychiater mit Zusatzausbildung zur Psychotherapie
  • Psychologischer Berater: Selbstständiger Psychologe oder ausgebildeter psychologischer Berater, zuständig für psychisch gesunde Klienten
  • Heilpraktiker für Psychotherapie: Niedergelassener Selbstständiger mit erfolgreich absolvierter staatlichen Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie
  • Coach: Berater für nicht psychologische Themen